Blog

Reparaturkosten – Was Sie bei fiktiver Abrechnung bekommen.

playstuff – Fotolia.com

Bei der fiktiven Abrechnung der Reparaturkosten kürzen die Versicherungen gerade aktuell wieder auf Teufel komm raus die geltend gemachten Schadenspositionen.

Ganz beliebt ist das Benennen einer angeblich wesentlich günstigeren, in der Nähe des Wohnorts des Geschädigten liegenden, Werkstatt. Oftmals sind die vorgenommenen Kürzungen wahrlich abenteuerlich und auch vollkommen unberechtigt.

Welche Abzüge Sie sich unter welchen Voraussetzungen gefallen lassen müssen, damit befasse ich mich in diesem Artikel.

Maßgeblich ist insbesondere eine aktuelle Entscheidung des BGH zu diesem Problem.

 

1. Konkrete Schadensabrechnung

Bei der konkreten Schadensabrechnung wird das beschädigte Fahrzeug in einer Werkstatt repariert und die tatsächlich entstandenen Reparaturkosten gegenüber der Versicherung geltend gemacht und in der Regel auch komplett erstattet. Lediglich dann, wenn der Geschädigte vorsteuerabzugsberechtigt ist, wird nur der Nettoschadensbetrag ausgezahlt.

 

2. Fiktive Schadensabrechnung

Diese Form der Abrechnung erfolgt dann, wenn Sie ihr Fahrzeug nicht (vollständig) in einer Reparaturwerkstatt reparieren lassen, sondern entweder privat oder überhaupt nicht. Es geht also um die Fälle, in denen Sie günstige Reparaturmöglichkeiten in Anspruch nehmen wollen und können, oder das Fahrzeug, bspw. weil es schon älter und der Schaden nur optisch beeinträchtigend ist, gar nicht reparieren lassen wollen.

Grundlage der fktiven Schadensabrechnung ist ein Sachverständigengutachten, welches von einem Kfz-Sachverständigen erstellt wird. Lediglich bei Bagatellschäden ( bis ca. 1100,- € ), genügt in der Regel auch ein Kostenvoranschlag.

Dieses Gutachten sollten Sie möglichst selbst in Auftrag geben. Die Versicherung hat natürlich ein Interesse daran, einen eigenen Gutachter mit der Erstellung des Schadensgutachtens zu beauftragen, da dann ihre Interessen, nämlich eine möglichst geringe Schadenshöhe, Berücksichtigung finden.

Der Gutachter ermittelt die Höhe der Reparaturkosten und, falls gegeben, auch eine Wertminderung.

 

3. Abzugsposten bei fiktiver Abrechnung

Der Geschädigte, bzw. sein Anwalt, legt die in dem Gutachten angegebenen Nettoreparaturkosten und gegebenenfalls die Wertminderung der Schadensbezifferung zugrunde. Dann kommt das Abrechnungsschreiben der Versicherung, welches ärgerlicherweise meist diverse Abzüge von den geltend gemachten Reparaturkosten enthält und einen deutlich geringereren Betrag als den geltend gemachten anerkannt und auszahlt.

a) Stundenverrechnungssätze

Besonders beliebt ist die Kürzung der in dem Gutachten zugrundegelegten Stundenverrechnungssätze der Reparaturwerkstatt.

Der Sachverständige – jedenfalls soweit Sie ihn beauftragt haben – legt seinem Gutachten die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Werkstatt zugrunde. D. h., wenn Ihr Mercedes bei dem Unfall beschädigt wurde, berücksichtigt er die Verrechnungssätze einer Mercedeswerkstatt.

Natürlich sind diese höher, als die einer freien Werkstatt.

Was macht also die Versicherung?

Sie kürzt diese Verrechnungssätze unter Zugrundelegung der Verrechnungssätze einer freien Werkstatt. Meist benennt sie eine konkrete Werkstatt in Ihrer Nähe, in welcher Sie Ihr Fahrzeug zu den von der Versicherung berücksichtigten Kosten reparieren lassen können.

Müssen Sie sich das gefallen lassen?

Oftmals nicht!

Wenn ihr Fahrzeug

  • am Schadenstag nicht älter war, als 3 Jahre
  • bisher ausschließlich in einer markengebundenen Werkstatt repariert und gewartet wurde
  • die Qualität der Reparatur in der benannten freien Werkstatt nicht der in der markengebundenen Werkstatt entspricht
  • es sich bei dem günstigeren Reparaturangebot um zwischen Werkstatt und Versicherer ausgehandelten Sonderkonditionen handelt

dann muß die Versicherung die im Gutachten angegebenen Reparaturkosten einer markengebundenen Werkstatt erstatten.

Gerade das Zugrundelegen von Sonderkonditionen ist derzeit äußerst beliebt bei den Versicherungen. Hier lohnt es sich in der angegebenen Werkstatt vorbeizufahren und um die Erstellung eines Kostenvoranschlages für die Reparatur der Unfallschäden nachzusuchen. Wenn dann dort höhere Stundenverrechnungssätze angegeben sind, ist die Sache klar.

 

b) Abzug der Verbringungskosten

Dieser Abzug wird von den Versicherungen bei fiktiver Abrechnung schon fast stereotyp vorgenommen.

Auch die Verbringungskosten, die anfallen, wenn das Fahrzeug von der Werkstatt in die Lackiererei verbracht werden muß, sind jedoch zu zahlen, wenn eine der oben genannten Voraussetzungen gegeben sind, daher ein Anspruch auf Ersatz der in einer markengebundenen Werkstatt anfallenden Kosten besteht und in dieser Werkstatt Verbringungskosten anfallen.

 

c) Entscheidung des BGH vom 11.11.2015, AZ. IV ZR 426/14

Der BGH hat in seiner Entscheidung bestätigt, dass grundsätzlich dann, wenn eine vollständige und fachgerechte Reparatur nur in einer Markenwerkstatt erfolgen kann, auch ein Anspruch auf Ersatz der fiktiv in einer solchen Werkstatt anfallenden Reparaturkosten besteht. Gleiches gelte auch dann, wenn der Geschädigte sein Fahrzeug bisher ausschließlich in einer solchen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen.

 

Fazit:

Bei der derzeitigen Regulierungspraxis der Versicherungen ist man als Geschädigter gut beraten, einen Anwalt mit der Schadensabwicklung zu beauftragen. Die Kosten hierfür muß die Versicherung des Schädigers im Umfang ihrer Haftung ebenfalls übernehmen. Hat ihr Unfallgegner den Unfall also allein verschuldet, so muß die Versicherung auch die berechtigten Anwaltskosten vollständig übernehmen.

Blogbeiträge

Wichtige Artikel und neue Urteile

Wenn Sie sich in einer schwierigen Situation befinden und eine Immobilie teilen müssen, kann die Teilungsversteigerung ein Ausweg sein, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Ich möchte Ihnen heute einen Überblick über dieses Verfahren geben und Ihnen einen ersten wertvollen Tipp an die Hand geben, den Sie sofort umsetzen können. Was ist […]

🚨 Stehen Sie vor der Herausforderung, das Sorgerecht für Ihr Kind zu regeln? 🚨 Viele Eltern finden sich in einer emotional belastenden Situation wieder, wenn es um das Sorgerecht geht. Als Anwältin habe ich oft mit Eltern zu tun, die sich fragen: „Wie kann ich das Beste für mein Kind sicherstellen und gleichzeitig meine Rechte […]

Nachehelicher Ehegattenunterhalt ist ein Thema, das viele von uns betrifft oder betreffen könnte. Die damit verbundenen rechtlichen und finanziellen Aspekte sind oft komplex und emotional aufgeladen. In diesem Blogartikel möchte ich Ihnen einen Überblick über die Voraussetzungen und Risiken des nachehelichen Ehegattenunterhalts geben und Ihnen einen wertvollen Tipp mit auf den Weg geben. Voraussetzungen für […]

💔 Ihre Ehe ist gescheitert und Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? 💔 Ich verstehe Ihre Situation nur zu gut. Als Fachanwältin für Familienrecht mit über 25 Jahren Erfahrung und selbst alleinerziehende Mutter kenne ich die Ängste und Sorgen, die mit einer Trennung einhergehen. In solchen Zeiten fühlen Sie sich möglicherweise überwältigt und fragen […]

Die Liebe ist verblasst, die Trennung erfolgt.Bevor das endgültige Ende der Ehe durch eine Scheidung eingeläutet werden kann, muss jedoch in Deutschland das sogenannte Trennungsjahr absolviert werden. Doch was bedeutet das genau und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Warum ist das Trennungsjahr vorgeschrieben? Grundsätzlich ist eine Ehe auf Dauer angelegt. Im Trennungsjahr soll den Eheleuten […]

Besonderheiten, auf die es zu achten gilt Wenn Führungskräfte, wie Manager, Geschäftsführer, Vorstände und Mitglieder in Aufsichtsräten von Trennung und Scheidung betroffen sind und nicht Vorsorge durch einen Ehevertrag getroffen haben, sehen sie sich gerade in finanzieller Hinsicht mannigfachen Problemen gegenüber. Gerade im Bezug auf einen etwaigen Zugewinnausgleich, Unterhaltsansprüche und auch dem Ausgleich der Rentenanwartschaften […]

Verliebt, verlobt, verheiratet und schon ist mit der Ehe auch ein Rechtsverhältnis begründet worden. Jungunternehmer oder junge Unternehmensgründer, die ihre Liebe mit einer Hochzeit krönen, bedenken oft nicht, dass sich Ehe und Unternehmen auch auseinander entwickeln können. Welche Folgen eine Scheidung für das Unternehmen haben kann, wird oft nicht bedacht. Zum Zeitpunkt der Eheschließung steckt […]

Unterhaltsberechnung nach der Quotenmethode: Grundsätzlich wird der Ehegattenunterhalt berechnet, indem man die anrechenbaren Einkünfte beider Eheleute zusammenaddiert und dann durch zwei teilt. Dies stellt den Unterhaltsbedarf des geringer verdienenden oder einkommenslosen Ehegatten dar. Auf diesen Unterhaltsbedarf muss er sich dann eigene Einkünfte anrechnen lassen. Der verbleibende Restbetrag stellt seinen tatsächlichen Unterhaltsbedarf dar. Anrechenbar ist das […]

Was bedeutet Kindeswohl? Das Kindeswohl ist ein zentraler Rechtsbegriff des Familienrechts und Maßstab für Entscheidungen insbesondere im Sorge- und Umgangsrecht, aber auch bei Adoptionen und Vaterschaftsfragen. Es gibt keine rechtliche Definition des Kindeswohls aber Kriterien, auf deren Grundlage über das Kindeswohl entschieden wird. Danach gehört zum Kindeswohl insbesondere: Das Kindeswohl bei der elterlichen Sorge Insbesondere […]